Kapital-Vehikel für Bundeswehr-Kasernen?
Eine Einschätzung von Tina Reuter, CEO Germany bei Cushman & Wakefield
"Eine halbe Billion Euro Sondervermögen für Infrastruktur, das sich die mögliche künftige Bundesregierung vom Deutschen Bundestag hat absegnen lassen, wird in vielerlei Hinsicht und über alle Segmente hinweg auch positive Effekte für den deutschen Immobilienmarkt zur Folge haben. Dennoch wird es über diesen staatlichen Kapitalschub hinaus immer auch noch private und institutionelle Investments brauchen, um zum Beispiel im Wohnimmobilienbereich die seit Jahren bestehenden Defizite zu beheben. Und warum nicht mal in Anbetracht quasi überall wachsender Bedarfe über die Erschließung ganz neuer Nischen nachdenken? Die Bundeswehr etwa braucht dringend neue Kasernen und die vorhandenen müssen saniert werden. Hier könnten entsprechende Kapital-Vehikel unterstützen und neue Investment-Perspektiven bieten.
Doch schauen wir zu Beginn eines neuen Quartals zunächst auf die aktuellen Märkte und deren „Ist“. Wie ist es damit bestellt?
Die Zuversicht der Investoren kommt zurück, insbesondere für den Sektor Wohnen. Aber auch in den Bereichen Logistik und Büro wächst das Investoreninteresse. Zwar ist die Preisfindung in allen Assetklassen noch längst nicht abgeschlossen, aber weiter vorangeschritten, wenn auch im aktuellen Markt- bzw. Finanzierungsumfeld allerdings noch immer volatil. Dies liegt insbesondere am geopolitischen Umfeld und den jüngst stark gestiegenen Renditen für Staatsanleihen – Faktoren, die sich auf die Immobilienfinanzierung direkt auswirken.
Abhängig auch vom jeweiligen Sektor bzw. der Nutzungsart sowie der Risikoklasse kommt auch Core-Geld langsam zurück. Je nach Volumen, Risikoprofil, Produktqualität und Investor sind jedoch noch nicht alle Marktbewegungen abgebildet. Logistikimmobilien haben sich als eine der umsatzstärksten Assetklassen etabliert. Die steigende Nachfrage nach E-Commerce und effizienten Lieferketten treibt das Wachstum in diesem Bereich an. Logistik- und Einzelhandelssektoren profitieren von stabilen Renditen und Mietwachstum, was sie für Investoren attraktiv macht. Sie bieten vielversprechendste Perspektiven für Kapitalzuwächse. Data-Center gewinnen zunehmend an Bedeutung und werden von 42 Prozent der Marktakteure als attraktive Investitionsmöglichkeit angesehen. Die wachsende Digitalisierung und der Bedarf an sicheren Datenverarbeitungszentren fördern diese Entwicklung. Life-Science-Immobilien bleiben ebenfalls attraktiv und stehen im Fokus der Investoren. Diese Immobilien bieten spezialisierte Einrichtungen für Forschung und Entwicklung im Gesundheitssektor.
Gesundheitsimmobilien bieten als Nische auch 2025 attraktive Investitionsmöglichkeiten. In einer Umfrage von Cushman & Wakefield wird bezüglich der Investitionsstrategie für 2025 in diesem Zusammenhang am häufigsten die Immobilienart „Betreutes Wohnen“ genannt. Diese Immobilienart wird auch als diejenige angesehen, für die in diesem Bereich das meiste Kapital zur Verfügung stehen wird. Das derzeit niedrige Bauaktivitätsniveau bei Gesundheitsimmobilien wird mittelfristig wieder zunehmen. Langfristig sehen wir denn auch großes Potenzial in der Entwicklung nachhaltiger Gesundheitsimmobilien mit innovativen Konzepten. Investitionen in moderne, energieeffiziente Einrichtungen und die Integration digitaler Gesundheitslösungen könnten entscheidende Wettbewerbsvorteile bieten.
Retail erlebt dank eines guten Risiko-Rendite-Profils bei stabilen Cashflows ein Revival. Stabile Renditeniveaus sorgen dafür, dass das Investoreninteresse bei Fachmärkten und vor allem bei lebensmittelgeankerten Fachmarktzentren wieder steigt. Neben den seit Jahren existierenden und am Stadtrand gelegenen Einrichtungshäusern, die nach wie vor wichtig für das Geschäft sind, konzentrierten sich große Handelsunternehmen (wie z.B. Einrichtungshäuser) auf zusätzliche kleine Standorte in zentralen Lagen. Sogenannte Plan-and-order-Points befinden sich in EG-Flächen in Innenstädten, Hauptbahnhöfen oder Einkaufszentren.
Alles in allem ist der immobilienwirtschaftliche Ausblick verhalten optimistisch, könnte aber in näherer Zukunft durch das bereits erwähnte Sondervermögen von 500 Milliarden Euro deutlich an Dynamik zulegen."